Ich hatte bereits angekündigt, in meinem Blog auch etwas über die Schattenseiten der Situation, in der ich mich aktuell befinde, zu berichten: Denn die Magersucht hat mich zwar gelehrt, auch auf kleine Freuden und Schönheiten im Leben zu achten, doch diese Erkenntnis ist einer sehr leidvollen Zeit für mich entsprungen.
Ich will damit, dass ich darüber schreibe, mitnichten Mitleid erregen, aber ich will euch dennoch die Gedanken, die eine Essgestörte umtreiben, schildern und erklären, so gut ich es kann.
Seht es einfach als Gegenbewegung zum „Pro-Ana-Trend“. Die Magersucht ist keine Mode, keine rosa Schmetterlingswelt.
Mein Ziel habe ich schon erreicht, wenn nur eine Person, die diesen Blog liest, das erkennt und sich nicht von der abartigen Verehrung dieser Krankheit blenden lässt.

Aber was ist Magersucht denn jetzt eigentlich?

Diagnostisch ist das schnell abgehandelt: Nach dem DSM-V (Diagnostisches Handbuch Psychischer Störungen) sind im Wesentlichen drei Kriterien für die Diagnose einer Anorexie genannt:
(I): Ein Körpergewicht unter einem BMI von 17,5
(II): Extreme Angst zuzunehmen oder dick zu werden
(III): Körperschemastörung (der feste Glaube, zu dick zu sein) & Krankheitsverleugnung

Ich selbst bin allerdings kein Freund solch fester Kategorisierungen: Viel zu oft habe ich Mädchen und Frauen kennengelernt, deren Körpergewicht über der sogenannten Anorexiegrenze lag und die trotzdem von der harten, anklagenden Stimme der Magersucht gequält wurden – vierundzwanzig Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.
Oder ich habe Menschen getroffen, die genau wussten, wie krank, wie dünn sie waren – und trotzdem alles dafür taten, um diesen Zustand zu erhalten. Ganz einfach, weil alles andere für sie nicht ertragbar war.
Und sollen diese Menschen deshalb weniger krank gewesen sein?
Magersucht hat viele Gesichter – aber sie alle haben eine Gemeinsamkeit: Diese Stimme, die zum Fixpunkt deines Lebens wird.

Die amerikanische Schriftstellerin Harriet Brown, deren Tochter als junges Mädchen an Anorexie erkrankte, beschrieb diese Stimme einmal in ihrem Buch „Brave girl eating“:

„Denn wenn Sie […] essen, erhebt sich eine Stimme in ihrem Kopf […]. Also essen Sie eben nicht, obwohl Sie ständig daran denken müssen […]. Für Sie gibt es kein Brot, keinen warmen, buttrigen Kuchen. Es gibt nur diese Stimme in Ihrem Kopf, schrill, unbarmherzig, hinterhältig. Es gibt nur Sie, verlassener als je zuvor. Sie werden kleiner und zerbrechlicher. Sie können nirgendwo anders hin.
Die Stimme ist jetzt ein Stück von Ihnen, Ihr Freund und Folterer. Sie können nicht dagegen angehen, und Sie wollen es auch gar nicht. Sie sind eben doch nicht so stark. Sie können es nicht ertragen, und Sie kommen nicht davon los […].“

Ich könnte jetzt Romane zu dieser Stimme im Kopf schreiben, aber ich werde es nicht tun – Harriet Brown hat schon alles dazu gesagt. Würde ich noch etwas ergänzen, würde es nur den Rahmen eines einzelnen Artikels sprengen und ich würde über mein Ziel, zu erklären, was Magersucht ist, hinausschießen.

Deshalb beende ich ihn auch jetzt und hoffe, dass alles, was ich euch näher bringen wollte, gefallen ist. Danke fürs Lesen.

Advertisements