Ich bin eine wahre Meisterin darin, sich Sorgen um alles Mögliche zu machen: Ob ich das Abitur wohl bestehe? Was ist, wenn ich bestehe und ich finde keinen Studienplatz? Was ist, wenn ich einen Studienplatz finde, aber ich kann mir mein Leben nicht finanzieren? Ahnungslose Fragen oder unachtsame Bemerken meiner Mitmenschen setzen sich in meinen Gedanken oft ungemein schnell fest – und produzieren Zweifel und Bedenken, die andere allerhöchstens lächerlich oder vollkommen unbegründet finden. Und weiter?

Natürlich hat es auch seine Vorteile, an die Zukunft und die Machbarkeit meiner Projekte zu denken. Es spornt zu Höchstleistungen an: Lieber hänge ich noch eine Stunde Lernen dran, fertige noch eine Zusatzarbeit an, kontrollier noch fünf weiter Male, ob alles „perfekt“ ist.

Im Großen und Ganzen ist es also doch kein wirklich befriedigender Zustand. Und würde jemand anderes mich anders einer solch akribischen Observation und einem solchen Diktat der Perfektion unterwerfen… Ich würde der Person wahrscheinlich den Vogel zeigen-

Doch das ist gerade die Crux an meiner Situation: Ich selbst und niemand anderes quäle mich erfolgreich mit der Produktion negativer Gedanken.

Oft lähmen mich meine Ängste angesichts der Zukunft, treiben mich langsam aber sicher in den Wahnsinn. Allzu gerne produziert mein Gehirn Horrorszenarien  einer aussichtslosen kommenden Zeit, die mich nachts nicht schlafen lässt.

Aber, zu meiner Verteidigung eine kleine Frage an euch: Wann habt ihr das letzte Mal einen Satz gehört wie „Blendende Zukunftsaussichten für Abiturienten“ oder „Deutschlands Universitäten leerer als je zuvor“. Hm? Ich selbst zumindest noch nie.

Stattdessen prägen Negativschlagzeilen wie „Arbeitslosigkeit bei Akademikern steigt“, „Miete wird immer teurer“.

Wen wundert es da, dass meine Generation (oder ich vor allen Dingen) immer mutloser und hoffnungsloser wird und die Grundeinstellung „Es ist mir doch egal, was wird“ sich wie eine schleichende Krankheit ausbreitet und Träume im Keim erstickt.

Es sind Momente wie diese, in denen Ana sich langsam wieder an mich heranschleicht, mir ihre Hand auf die Schulter legt und flüstert: „Wozu gesund werden? Danach kommt doch sowieso nichts mehr.“
Es scheint zu verführerisch, ihr Recht zu geben und sich in mein vorgezeichnetes Schicksal zu ergeben, aber… STOPP.

Denn gerade hier liegt der Fehler. Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, Fragen zu stellen. Nicht nur als Journalistin, nicht nur, wenn ich meine Artikel schreibe. Sondern auch an mein Leben: „Stimmt das denn wirklich? Habe ich so miese Chancen, mir das Leben aufzubauen, was ich mir wünsche?“

Wer weiterkommen will, muss selbstständig werden. Selbsterarbeitung des Wissens nennen sie es in der Oberstufe. Recherchieren, nachschlagen, nachhaken:

Welche Möglichkeiten habe ich, wo zu studieren? Wie teuer ist es tatsächlich? Und welche Alternativen gibt es, sollte ich es nicht schaffen?

Ich bin mitnichten ein rationeller Mensch. Entscheidungen treffe ich am liebsten noch bevor ich alle Fakten gehört habe.

Aber wenn ich eines gelernt habe, ist es dieses: Die Fakten zu kennen, kann mir jede Menge unbegründete Ängste ersparen.

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