Ich glaube, dass jeder Mensch etwas hat oder braucht, dass ihm das Gefühl gibt angenommen, richtig oder ganz einfach nicht alleine mit seinen Gedanken auf dieser Welt ist. Eine Art gefühltes Zuhause, das einen immer ‚Willkommen‘ heißt, ganz egal, wie übel dein Tag war.

Manch einer hat diese Geborgenheit in der Familie. In gemeinsamen Wurzeln – in einer Gemeinschaft, die ihn seit seinem ersten Herzschlag begleitet.

Andere suchen ihr Glück im Sport. Ihre Identität findet und bestätigt sich immer wieder neu in der geteilten Euphorie und im geteilten Leid. In den Tränen, dem Schweiß und letzten Endes im Stolz, zusammen etwas erreicht zu haben.

Wieder andere haben sich der Kunst verschrieben: Auf der Leinwand spiegeln sich all ihre Sorgen und ihre Freude wieder – ein Blick und ein Gleichgesinnter versteht, ohne zu fragen.

Ich aber bin kein Familienmensch. Ich laufe regelmäßig für einige Stunden weg, weil meine Geschwister mir viel zu laut sind.

Sport mache ich am liebsten, wenn mir keiner zusieht und künstlerisch begabt bin ich höchstens in meinen kühnsten Tagträumen.

Mein Zuhause war schon immer die Musik:

Als ich mit zwölf Jahren das erste Mal so richtig verschossen habe, habe ich mich in die Stimme eines belgischen Singer/Songwriter verliebt. In seine Stimme und in das, worüber er gesungen hat: „Tell me that I’ve got it wrong! Tell me everything will be okay…“ Für mich waren seine Worte in dieser Zeit Balsam für meine Seele.

Auch später, ja sogar heute noch, begleiteten und begleiten Lieder mich durch all meine Höhen und Tiefen.

„Where I am there’s no limit – no walls, no ceilings!” Ich brauche nur diese beiden Zeilen aus Enrique Iglesias’ EM-Hit „Can you hear me?“ zu hören und ich fühle mich wieder genauso euphorisch wie an meinem letzten Schultag auf meiner ehemaligen Realschule.

Bei „Stay“ von den 12 Stones kommen mir wieder die Tränen, weil ich noch genau weiß, wie hilflos ich mich im Sommer 2012 mit meiner Essstörung gefühlt habe und Michael Bublés „Everything“ lässt mich immer wieder die beinahe surreale Schwerelosigkeit spüren, die ich in den Wochen nach meinem Abitur gefühlt habe.

Ich weiß genau, was Caroline No meint, wenn sie singt: „I am a bird in an open cage – I can’t stay but I can’t go. I can’t make up my mind to leave my comfort zone.”

Und auch wenn ich Asaf Avidans Singstimme unerträglich finde: “One day, Baby, we’ll be old and think of all the stories that we could have told“, trifft mich ein jedes Mal mitten ins Herz.

Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich schon laut singend durch den Wald gelaufen bin, wenn ich sauer war: Sauer auf meine Eltern, Freunde, meine Geschwister, die Welt im Allgemeinen. Sauer, weil sie mich alle nicht verstehen.

Musik war mir jedoch immer ein Trost: Zu wissen, dass ich nicht alleine bin mit dem, was ich denke, was ich fühle. Oder, um es mit den Worten von Sunrise Avenue zu sagen: „Hey, little fighter – soon it will be brighter!“

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