Er ist da, endlich ist er da! Wie ein kleines Mädchen habe ich mich am vergangenen Sonntag gefreut, als ich aufgewacht bin: Schnee hatte sich wie eine weiche glitzernde Decke über die Straßen, Autos und Dächer gelegt. Nach sehnsüchtigem Warten hat der Winter seinen Weg auch endlich zu mir nach Hause gefunden.

 

Für mich ein so großes Wunder, dass ich beinahe ehrfürchtig bei meinem morgendlichen Spaziergang durch das jungfräuliche Weiß gewatet bin. Und so schön, dass ich am Nachmittag gleich noch einmal durch den Wald spaziert bin.

nps_rotesmeer1
Wie es scheint, einmal zu viel: Denn jetzt sitze ich hier in meinem wollig-weichen Pyjama mit pochenden Kopfschmerzen, im Gesicht genauso weiß wie Schnee und von vollgeschnupften Taschentüchern umgeben wie eine Prinzessin von ihrem Hofstaat.

 

Aber ich bin nicht die Einzige, die der Winter mit seinem frostigen Kuss auf diese Art und Weise begrüßt hat. Vielleicht bin ich aber die Einzige, die sich immer noch bedingungslos über die Ankunft von Väterchen Frost freut:

Denn für mich ist der Winter viel mehr als eine romantische Idealvorstellung von pudrigem Schneefall, rosigen Wangen und heißem Tee vor dem prasselnden Ofen.

Sich auch mal zurückziehen können, in sich gehen – macht es uns die Natur nicht vor, was der Winter eigentlich bedeutet?

 

Wer jetzt aufmerksam durch die Wiesen, Felder und Wälder geht, spürt diesen Appell in jeder Faser: Die Bäume scheinen wie schlafende Riesen, der gefrorene Boden wie tot und nur einige wenige, unerschrockene Tiere kreuzen unsere Wege – die meisten ihrer Artgenossen schlummern in ihren Höhlen bis zu den ersten zarten Sonnenstrahlen des Frühlings.

 

Und wir? Wir rasen im gleichen Tempo weiter, mit dem wir auch im Frühling, im Sommer und im Herbst durch die Welt geprescht sind.

Da ist es schon beinahe… ein Wink des Schicksals einmal für kurze Zeit vom eigenen Körper ausgebremst zu werden.

 

Von meiner Mutter habe ich mal einen wunderschönen Spruch auf einer Karte geschickt bekommen, mit dem ich diesen Gedanken gerne beenden möchte:

 

„Unser Körper geht manchmal seltsame Wege, um für unsere Seele zu sorgen. Und manchmal wählt er eine Krankheit, um uns auf ein ganz anderes Problem hinzuweisen.“

 

Advertisements