Ich bin nicht kritikfähig. Wenn ich meine größte Schwäche benennen müsste und ich müsste mich nicht gerade vorteilhaft in einem Bewerbungsgespräch präsentieren, wäre ich da gnadenlos ehrlich. Mit Kritik, selbst mit konstruktiver, gut gemeinter Kritik kann ich nur äußerst schlecht umgehen. Dabei ist es gar nicht mal so, dass ich mich in meiner Person angegriffen fühle und mich selbst für unfehlbar halte. Ja, so bizarr wie es klingt, aber: Das Gegenteil ist der Fall. Kritik ist für mich eine Art negative Selbstbestätigung.

 

Kennt ihr das, wenn ihr euch in eurem ganzen Tun und Sein wie ein absoluter Hochstapler fühlt und eigentlich nur darauf wartet, dass ihr auffliegt? So geht mir das schon seit Jahren. Viele Menschen sagen zum Beispiel, ich wäre intelligent – schon meine guten Schulnoten würden das beweisen. Ich allerdings glaube fest daran, dass ich die guten Schulnoten nur bekommen habe, gerade weil die Menschen glauben, ich sei intelligent. Und dass ich eigentlich nicht besonders clever bin. Klingt vielleicht ein wenig paranoid? Das ist es bestimmt auch. Oh, noch etwas, von dem ich ziemlich oft ziemlich stark überzeugt bin: Dass ich ganz schön merkwürdig bin und die meisten Menschen nur aus Höflichkeit so tun, sie würden mich mögen, um mich nicht zu verletzen. Natürlich gibt es auch Ausnahmen und Personen, denen ich diesbezüglich vertraue, dass sie wirklich mit mir befreundet sind oder sein wollen, aber im Großen und Ganzen bin ich da ein sehr vorsichtiger Mensch.

„Ich habe wahnsinnige Angst vor einem Korb“, habe ich meiner Therapeutin vor gar nicht allzu langer Zeit gesagt. Ich glaube, das trifft es ganz gut. Um genau zu sein: Ich habe den Korb eigentlich schon von Beginn an eingeplant. Doch obwohl ich den „Worst Case“ gleich einkalkuliere, trifft mich Ablehnung jedes Mal aufs Neue: „Ach, mein kleines Herz bricht so schnell“, um einen meiner Lieblingsromane zu zitieren.

Und genau deshalb trifft mich Kritik auch so schnell und so tief: Für diesen einen Moment, in dem jemand mich oder eine Leistung von mir bemängelt, sehe ich alle meine Ängste bestätigt: Aufgeflogen als Hochstaplerin, die ich eigentlich nie sein sollte. Warum denken alle so gut von mir, wo ich doch gar nicht so gut bin?

Wenn ich so darüber nachdenke, wundert es mich eigentlich, dass ich solche Angst vor Kritik und Kritikern habe. Ich meine… Wer hat sich denn nun einen ganzen Text lang selbst kritisiert?

 

 

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