Herbst-Zeit ist Lese-Zeit! Ich finde, es gibt nichts Schöneres, als sich jetzt während der trüben Tage in einen guten Schmöker zu vergraben und den Regen an den Fenstern abperlen zu hören. Immer öfter stellt sich mir allerdings die Frage, was ich eigentlich lesen soll… Daher habe ich beim Buch-Date #2 von Zeilenende und wortgeflumselkritzelkram mitgemacht:

Beim Buch-Date geht es darum, neue Bücher kennenzulernen, die man von anderen Blogger*innen empfohlen bekommt. Es ist eine höchst spaßige Angelegenheit, die es einem erlaubt, auch einmal über den eigenen Tellerrand des Buch-Beuteschemas hinaus zu schauen, ohne dass man seine eigene Komfortzone völlig verlassen muss.

Meine Partnerin ist the lost art of keeping a secret. Ein wunderschöner Name für einen Blog, wenn ich das mal eben so anmerken darf. Lange habe ich mein Bücherregal nach Empfehlungen für sie durchsucht. Bücher zurückgestellt, instinktiv wieder nach anderen Werken gegriffen und mich schließlich für diese drei Schätze der Literatur entschieden:

In seiner frühen Kindheit ein Garten – Christoph Hein

In seinem Roman erzählt Christoph Hein von einem Vater, dessen Kind die Familie verriet, um sich41oi-lpxvl__sx249_bo1204203200_ in den Dienst der RAF zu stellen. Und er erzählt von einem wichtigen, oft verdrängten Stück bundesdeutscher Geschichte. Als der bundesweit gesuchte Terrorist Oliver Zurek in einem Gefecht mit Beamten des Grenzschutzes von einer Kugel tödlich verletzt wird, kommt es zu einem politischen Skandal. Denn die offiziellen Mitteilungen über seinen Tod im mecklenburgischen Kleinen – es ist von Selbstmord die Rede – stimmen nicht mit den Zeugenaussagen überein. Der Fall gerät in die Schlagzeilen, der Innenminister tritt zurück, der Generalbundesanwalt wird in den Ruhestand entlassen. Trotzdem wird das Ermittlungsverfahren wenige Monate später eingestellt. Olivers Vater aber misstraut den Behörden. Er macht sich auf, die Wahrheit über den Tod – die Ermordung? – seines Sohnes zu erfahren. Er, der ehemalige Gymnasialdirektor, der zusammen mit seiner Frau in der Nähe von Wiesbaden lebt und der die politische Orientierung und Entwicklung seines Sohnes nie verstanden hat, will nur eines: Gerechtigkeit. Suhrkamp

Warum: Auch wenn man den Hauptcharakter, Oliver Zurek, in der Handlung selbst nie kennenlernt, schwebt er stets wie ein Schatten über der ganzen Geschichte: Der gerechtigkeitsliebende Junge, der sich radikalisiert und für seine Ideale schließlich kriminell wird. Was mich an dem Buch besonders beeindruckt hat: Es regt unweigerlich dazu ein, die eigenen Grundsätze und Annahmen zu reflektieren. Und zeigt, dass die Grenzen zwischen Verbrechern und Idealisten manchmal erschreckend verschwimmen.

 

Kinder der Hoffnung – Marc Levy

Toulouse in den vierziger Jahren: Frankreich ist von den Deutschen kinder_der_hoffnung-9783426500200_xxlbesetzt, täglich werden Juden und politische Gegner deportiert – auch die Eltern des achtzehnjährigen Raymond und seines jüngeren Bruders Claude. Eines Tages steigt Raymond in eine Straßenbahn. Als er sie wieder verlässt, nennt er sich Jeannot und hat den Beschluss gefasst, zusammen mit Claude in der Résistance zu kämpfen – ein folgenschwerer Entschluss, denn zusammen mit ihren jungen Kameraden riskieren die beiden mehr als einmal ihr Leben. Was sie antreibt, ist der Glaube an die gerechte Sache, und was sie beseelt, die Hoffnung, dass ihre eigenen Kinder einmal in einer besseren Welt und in Freiheit leben werden. Knaur

Warum: Auf eine unglaublich leichtfüßige Art und Weise schildert Marc Levy die inneren und äußeren Kämpfe von Raymond/Jeannot, der nicht nur Freiheitskämpfer ist, sondern auch mitten in der Pubertät steckt. Sich verliebt, trauert, hofft und inmitten der Wirrungen einer schwierigen Zeit erwachsen wird. Auch wenn das Thema unglaublich schwer und ernst ist – das Buch beende ich mit dem Gefühl, dass Hoffnung überall möglich ist.

20944525zEat Pray Love – Elizabeth Gilbert

Essen. Beten. Lieben. Das braucht der Mensch zum Glücklichsein. Aber die einfachsten Dinge sind die schwersten, das weiß auch Elizabeth. Mit Anfang 30 hat sie ihren Mann verlassen und steht nun vor einem Scherbenhaufen. Nach tränenreichen Nächten beschließt die New Yorkerin, eine lange Reise anzutreten: In Italien lernt sie die Kunst des Genießens kennen, in einem indischen Ashram alle Regeln der Meditation und in Bali trifft sie auf Felipe und erfährt durch ihn die Balance zwischen innerem und äußerem Glück. Piper

Warum: Eine Empfehlung, die mir wirklich am Herzen liegt, denn dieses Buch war meine „Reise-Lektüre“, während ich das erste Mal in stationärer Behandlung war. Irgendwie habe ich mich in dieser Zeit Elizabeth unglaublich nahe gefühlt – eine Reisende auf der Suche nach dem, was im Leben wichtig und schön ist. Ich glaube, dieses Buch hat mich das Genießen erst wieder so richtig gelehrt.

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