Früher wollte ich eigentlich nie Journalistin werden. Nun gut, sind wir einmal ehrlich: Wessen Kindheits-Träume haben sich nicht im Laufe der Schullaufbahn geändert, weil wir festgestellt haben, dass unser Ziel entweder unrealistisch oder doch so gar nicht unseren Vorstellungen betrifft? Wir suchen uns dann ein Ziel, welches ein wenig erreichbarer scheint und haken unsere Kindheitsträume dann als genau das ab: Träumereien. Aber wenn man so ein Träumer ist wie ich, dann ist es beinahe unmöglich, abzuschließen und sich mit der Realität abzufinden.

 

Als ich in der Grundschule war, wollte ich immer Autorin werden. Das habe ich in jedes Freundschaftsbuch geschrieben, jeden Steckbrief für irgendwelche suspekten Vorstellungsrunden und (großmäulig wie ich als Kind nun war) auch jedem verkündet, der es hören – oder eben nicht – wollte. Abgekommen bin ich von diesem Gedanken erst, als ich so langsam aber sicher feststellen musste, dass Autor nicht gerade das ist, was man heutzutage zu den sicheren Berufen zählt, die man gleich nach Schulabschluss ergreift.

Dass ich mein Geld aber mit dem verdienen möchte, was mir am Herzen liegt, stand für mich schon immer fest. So kam es dann eben dazu, dass die „Autorin“ nach und nach die „Journalistin“ ablöste. Nicht, dass mein Berufswunsch, den ich nun auch als Ausbildung verfolge, in irgendeiner Hinsicht nur eine zweite Wahl gewesen wäre: Ich treffe gerne Menschen, neue Ansichten, höre gerne zu und lerne dazu und schreibe eben über diese Begegnungen. Aber gerade im ersten Lehrjahr an der Journalistenschule musste ich feststellen, dass mir meine Liebe für kunstvolle Sätze und wohlklingende (oft auch altmodische) Worte da bisweilen vor allem beim Verfassen von nachrichtlichen Texten gerne mal einen Strich durch die Rechnung machte…
Wie dem auch sei: Im Oktober war ich in Frankfurt auf der Buchmesse und auch, wenn es vor allem die ganzen Neuheiten auf dem Buchmarkt waren, die mich beeindruckt haben – was mir persönlich von diesem Tag in Erinnerung geblieben ist, sind die Gespräche mit zwei jungen Autorinnen. Summa summarum sind es drei Ratschläge, über die ich in den vergangenen Tagen viel nachgedacht habe:

 

  1. Schreib einfach drauf los. Oh ja, ich glaube, damit schieße ich mir regelmäßig ins eigene Knie. Bei all den Fachartikeln übers Plotting, fertige Skripts und Charakterkonzepte packt mich die Schreckstarre schon vor dem Schreiben. Oft weiß ich noch gar nicht so genau, wo meine Geschichten mich hinführen. Ich habe die Szenerie, den anfänglichen Konflikt fertig im Kopf, aber was daraus wird – das passiert, während es passiert. Beim Schreiben selbst also. Warum werfe ich also dauernd Ideen weg, nur weil sie zu Beginn nicht fertig sind?
  2. Lass‘ dich nicht beirren. Die Selbstzweifel habe ich ja schon mehr als einmal hier thematisiert. Oft frage ich mich, wer das eigentlich lesen möchte, was ich schreibe. Aber wie soll ich diese Frage je beantworten können, wenn ich es nicht einfach versuche und schreibe?
  3. Nimm‘ dir Zeit. Ich arbeite gerne mit festen Regeln und Zielen, setze mich selbst unter Druck. Was beim Abitur glänzend funktioniert hat, sorgt allerdings dafür, dass sich jegliche Kreativität regelmäßig verabschiedet. Ich MUSS aber eigentlich nicht schreiben. Das Buch ist fertig, wenn es fertig ist. Egal ob heute oder in fünf Jahren.

 

Aber ich kann heute schon damit angefangen. Ich habe wieder angefangen, Geschichten zu schreiben und nicht mehr nur Artikel. Und wer weiß: Vielleicht kann ich in zehn oder zwanzig Jahren ja das kleine Mädchen in mir glücklich machen und die „Autorin“ bei „Beruf“ anstelle von „Berufswunsch“ eintragen.brief-an-verkaufsleiter

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