Im Dezember wird es für Fans von SUBWAY TO SALLY traditionell frostig: Die Mittelalter-Rocker um Bodenski, Eric Fish und Co laden zum eigenen Indoor-Festival, der „Eisheiligen Nacht“. Gefeiert wird bei eisigen Temperaturen natürlich nicht alleine – und so begleiten auch in Würzburg illustre Gäste die Band in die Posthalle…

Eröffnet wird der Abend von den Regionalhelden des Line-Ups: Mit VROUDENSPIL entert die siebenköpfige Mannschaft von Kapitän Ratz von der Planke die Bühne. Gespielt wird, was gute Laune macht, und das ist im Falle der musikalischen Freibeuter ein bunter Mix aus mittelalterlichem Folk mit griffigen Ska-Elementen. Mit ihren eigensinnigen, launischen Texten und der imposanten Aufstellung mit Flöte, Schalmei und Co bringen sie die Posthalle in Windeseile auf Betriebstemperatur. Dass die Konzerte mit SUBWAY TO SALLY auf der „Eisheiiligen Nacht“ auch die Abschlusskonzerte für Frontmann Ratz darstellen, möchte man angesichts der ausgelassenen Stimmung, die die Bayern auf der Bühne verbreiten, gar nicht glauben. Dennoch: Nach dem Tournee-Ende in der SUBWAY-Basis Potsdam hängt der Kapitän die Gitarre an den Nagel und macht aus beruflichen Gründen Platz für einen Nachfolger. Dass dieser in große Fußstapfen treten wird, macht VROUDENSPIL mit einem bunten Potpourri aus Klassikern der Bandgeschichte sowie Ohrwurm-Nummern wie ‚Püppchen‘ aus dem aktuellen Langspieler „Fauler Zauber“ deutlich. Tanzeinlagen mit Augenzwinkern und jede Menge Spielfreude – eindrucksvoll beweisen die Sieben, wie man schon kurz nach Beginn des Konzerts das Publikum zum Feiern bringt.

Entgegen der allgemeinen Mutmaßungen über das bis zur letzten Sekunde unbekannte Line-Up wird es nach den Piraten erst einmal düster. Die ersten beiden Songs von LORD OF THE LOST gehen im dichten Nebel sowie in strahlendem Strobo-Lichtgewitter auf. Mit ‚The Love Of God‘ steigen Chris Harms und seine Jungs mit einem der härteren Songs der Band ein. Dieser Leitlinie bleibt der charismatische Sänger auch bei den weiteren Songs meist treu, die gegrowlten Parts dominieren. Durchaus schade, liegt die Stärke von Chris Harms‘ Samt-Stimme doch in den klaren Liedern, was auch heute immer wieder (viel zu kurz) aufblitzt. Mit Pi präsentiert sich auf den „Eisheiligen Nächten“ im Übrigen ein neues Mitglied der Hanseaten. Der Wechsel scheint die Goth-Rocker jedoch nicht aus der Bahn geworfen zu haben: Gewohnt routiniert spielen sie ihre Setliste, die neben weiteren Songs der Industrial-Platte ‚Empyrean‘ auch mit All-Time-Favourites wie ‚Six Feet Underground‘ aufwartet. Vielleicht ein wenig zu routiniert? Tatsächlich kann LORD OF THE LOST nicht ganz so begeistern wie auf den Sommerfestivals. Der Auftritt der Jungs plätschert angenehm dahin, doch wirklich mitreißen können die Hamburger an diesem Abend nicht. Zeitweilen klingen sie fast schon ein wenig unenthusiastisch, wie bei dem eingängigen ‚Dry The Rain‘. Da kann auch das Samba-Metal-Lied ‚La Bomba‘, welches in diesem Jahr auf dem SUMMER BREEZE noch spontane Polonaisen auslöste, nicht mehr sonderlich viel reißen.

Nach der Tabula Rasa konnte ELUVEITIE mich mit den ersten Performances des neuen Line-Ups im Sommer nicht wirklich vom Hocker reißen: Irgendwie verloren wirkten die neuen Musiker neben Mastermind Crigel Glanzmann, ein jeder kochte sein eigenes Süppchen – Interaktion sah anders aus. Dementsprechend niedrig sind meine Erwartungen an die Schweizer mit ihrem Pagan Metal auch in Würzburg. Und dementsprechend groß fällt auch meine Überraschung aus, als ELUVEITIE das Publikum mit ihrem dichten Sound aus Whistles, Geige, Drehleier und den brachialen Metal-Sounds gerade zu überrollt. Alle Mitglieder der Band zeigen sich von Anfang an weitaus selbstbewusst. Mitten in der Gruppe: Crigel Glanzmann als sympathischer, geerdeter Ruhepol mit seiner ausdrucksstarken Stimme. ELUVEITIE ist wie ein Phönix aus der Asche auferstanden und lässt jetzt schon ein großes Potential fürs neue Album aufblitzen. Und wo wir eben schon die Stimmen erwähnt haben: Ebenfalls ein echtes Highlight in der Gruppe ist die Gastsängerin Laura Fella. Besonders ihre Interpretation des Songs ‚Omnos‘ jagt mir einen Schauer über die Arme. Böse Zungen um mich herum empfinden ihre klare, glockenhelle Stimme zwar als „schwach“, mir hingegen gefällt die Verletztlichkeit, die ihre Vorgängerin Anna Murphy oft vermissen ließ, richtig gut. Schade, dass der Name des „festen“ Neuzugangs an den weiblichen Vocals ein anderer ist: Fabienne Erni.

Last but not least beenden die Gastgeber schließlich den Abend: SUBWAY TO SALLY zeigt sich bei dem Auftritt in Würzburg in gewohnter musikalischer Aufstellung. Ihre Setliste haben sie neben den aktuellen „Mitgift“-Songs mit Evergreens wie ‚Kleid aus Rosen‘ angereichert. Natürlich gibt es für Frontmann Eric für die Darbietung der Nummer die obligatorischen Rosen. Diese überreicht er, ganz der Gentleman, der neuen Geigerin, Ally Storch. Mit den langen, blonden Haaren nicht nur optisch ein Blickfang hält sie auch an diesem Abend die Nachfolge von Frau Schmidt in allen Ehren: Mit ihren Variationen und einer ganz eigenen Handschrift bringt sie hörbar frischen Wind in die Performance von SUBWAY TO SALLY. Schon jetzt bin ich gespannt, wie sich das in den neuen Songs der Band niederschlagen wird…
Ihre Zugabe spielen die Potsdamer erst mit schwarzen „Heavy X-Mas“-Weihnachts-Mützen und schließlich gemeinsam mit ihren Gästen: Das ‚Seemannslied‘ in der variierten Fassung gemeinsam mit Chris Harms am Mikrophon ist nicht nur musikalisch eines der Highlights, sondern setzt auch einen beeindruckenden Schlußpunkt unter die „Eisheilige Nacht“ 2017.

Dieser Konzertbericht erschien zuerst bei Powermetal.de

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