Ich freue mich wie ein Schnee-König, euch heute mal ein etwas anderes Interview auf „NiaLebt“ präsentieren zu dürfen. Nämlich hatte ich für meine LARP-Rubrik den Autor Ian Nathan im Interview: Dieser hat vor Kurzem im Zauberfeder-Verlag das Buch „Assassin’s Creed – In den Animus“, das Making-Of zum gleichnamigen Film veröffentlicht. Aber lest selbst, was Ian Nathan zu seinem neuen Werk zu sagen hat:

Als Erstes: Magst du uns dein Buch erst einmal vorstellen?

Um es ganz einfach auszudrücken: Es erzählt die Geschichte, wie aus einem Videospiel schließlich ein Film konzipiert und gestaltet wurde. Dabei finde ich es wichtig, zu erwähnen, dass der Film nicht einfach eine Videospieladaption ist, er ist aus dem ganzen Universum rund um die Bücher und die Graphic Novels entstanden. Alle von Ubisoft, die beteiligt waren, wollten, dass der fertige Film seine eigene Geschichte erzählt. Eine Menge visueller Effekte im Film sind so einzigartig und kommen in den Spielen nicht vor. Es ist eine gewaltige Produktion gewesen, vielleicht beeinflusst der Film ja auch die Spiele in Zukunft 😉 So oder so: Meine Aufgabe war es, mit den Akteuren zu sprechen, die Hintergründe aufzunehmen und zu erfassen und das für den Leser fassbar zu machen. Und diese Welt hoffentlich auch den Zuschauern des Films noch ein wenig mehr zu öffnen.

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Nun, ich muss gestehen, dass mein „innerer Nerd“ ein großer Antrieb für mich ist. Ich bin in den Siebzigern in Großbritannien aufgewachsen – Doctor Who war damals fast schon eine Religion. Es begeistert mich, wie Filme und ehrgeizige Regisseure dieses Genre auch visuell mit Special Effecs heute aufgreifen können. Außerdem hat das Fantasy und Science Fiction Genre die treusten Fans: Das ist ebenfalls ein wichtiger Faktor, der in der Produktion und Publikation meiner Werke eine Rolle spielt.

 Was hat dich an der Vorlage von „Assassin’s Creed“ am meisten beeindruckt?
Ich muss gestehen, dass ich eigentlich kein Gamer bin – das war sogar der Grund, warum ich gefragt wurde, ob ich das Buch schreibe. Ich komme mehr aus dem Filmischen und genauso einen Blick wollten die Produzenten für das Making-Of haben. Ich war allerdings beeindruckt, wie die Regisseure die zentrale Idee des Animus aufgegriffen haben, dem Gerät, welches die Erinnerung der DNA ausliest. Im Spiel ist es eine Art Stuhl mit Masken und Kabel, aber hier haben die Verantwortlichen daraus diese einschüchternde Maschine gemacht. Außerdem, was auch immer du sonst über den Film denkst, die Stuntarbeit ist wirklich herausragend.
 War der Zugang zur Gegenwart, wie sie in dem Film dargestellt, leichter für dich, als die historischen Parts zu verstehen?

Nun, es ist noch viel einfacher: Ich bin dann für die Interviews ans Set gekommen, wenn es für alle am einfachsten war. Da kam es nicht sonderlich darauf an, welche Ära gerade gedreht wurde.

Wie wichtig war es für dich, den historischen Hintergrund möglichst detailgetrau und in all seiner Tiefe darzustellen?

Ich dachte, dass darin sogar der aufregendste Teil für mich und die Filmproduktion läge – die Vergangenheit zum Leben zu erwecken. Dadurch, dass ich darin so viel Energie gesteckt habe, wollte ich auch die Liebe fürs Detail würdigen, die die Verantwortlichen in diese Arbeit gesteckt haben – in die Kostüme, die Dekoration de Sets bis hin zu den Referenzen an die Spiele (Easter Eggs). Der Film besitzt so viele besondere Elemente in dieser Hinsicht: Schau dir nur einmal die geschnitzten Balken an, an welche die Helden gebunden sind, als die Inquisition sie niederbrennen will. Justin Kurzel hat den ganzen Film mit paganen Symbolen angereichert. Das Buch mit solchen kleinen Hinweisen anzureichern macht es hoffentlich noch lebendiger für alle, den Film zu schauen. Es ist echt schon lustig: Immer wenn ich Making-Of Bücher schreibe, frage ich mich, ob ich für diejenigen schreiben will, die den Film schon gesehen haben oder für diejenigen, die ihn noch sehen werden. Das macht in der Wortwahl und dem Aufbau viel aus.

Wie können wir uns deine Arbeit vorstellen: Nimmst du an der Filmproduktion direkt teil oder bist du vor Ort mehr der stille Beobachter?

Nun ja, als Autor darfst du ja aus einem Grund am Set sein: Für Interviews. Alle, mit denen ich gesprochen habe, haben meine Arbeit auch sehr geschätzt und begrüßt. Daher habe ich mich irgendwie schon als Mitwirkender an der Filmproduktion gefühlt, auch wenn ich nicht direkt an der Arbeit teilgenommen habe. Dennoch: Ich bin ein praktischer Mensch und wollte eigentlich immer helfen, Dinge herumtragen und so. Das war mir allerdings strikt verboten. Daher war ich die meiste Zeit wirklich ein stiller Beobachter.

Die Stunts spielen im Film eine sehr wichtige Rolle. Wie hast du versucht, deren aktive und dynamische Art in einem Buch einzufangen?

Das war schwierig, aber die Bilder im Buch waren mir da eine große Hilfe. Außerdem sind die Stunt Koordinatoren und ihre Stuntmen wirklich brillant darin, zu erklären, wie sie das Unmögliche möglich machen. Diese Typen denken gar nicht erst darüber nach, aus 100 Fuß Höhe zu springen. Sie tun es einfach. Ich hoffe einfach, dass meine Worte diese Leistung irgendwie wiedergeben kann. Aber dennoch empfehle ich jedem, sich einfach den Film anzuschauen – die Sequenz mit der Slackline ist großartig und es nicht computer-animiert. Es ist alles echt!

 

Im vergangenen Jahr hast du ein Making-Of zum Film „Zauberhafte Tierwesen und wo sie zu finden sind“ veröffentlicht. Was war für dich der größte Unterschied zwischen der Welt der Zauberer und der Welt der Assassinen?

Auch wenn wir hier zwei Fantasy-Filme haben, die jeweils eine außergewöhnlich detaillierte Welt präsentieren – sie sind vollkommen unterschiedlich. „Zauberhafte Tierweisen“ musste in ein Universum passen, das vielen schon völlig bekannt ist. Außerdem ist das Buch zum Film für ein jüngeres, breiteres Publikum geschrieben als das Making-Of zu „Assassin’s Creed“. Ich hatte an beiden Projekten großen Spaß: Doch mich in die Details der Inquisition, des Animus und der Erinnerung der DNA sowie der Idee, dass ein Hauptakteur zwei verschiedene Rollen, die irgendwie miteinander verbunden sind, spielt – das war eine vollkommen neue und größere Herausforderung für mich.
  1. Letzte Frage: Angesichts der vielen Filme, die uns im Kinojahr 2017 noch ins Haus stehen – arbeitest du schon wieder an neuen Projekten?

Ich freue mich, dass du fragst. Im Moment arbeite ich noch nicht an einem Buch zu einem kommenden Film, doch ich habe gerade erst ein Buch über die Coen Brüder abgegeben. Das sind meine Lieblingsregisseure. Das Buch unterscheidet sich von meinen Making Of Büchern, denn ich schildere ihre ganze Karriere und nicht nur einen Film. Ich weiß vermutlich viel zu viel über ihre Arbeit – es ist fast schon eine Besessenheit von mir geworden. Im Moment arbeite ich an einer echten Herzensangelegenheit: Es geht um eine große Filmgeschichte einer Reihe von Filmen, die in Deutschland ziemlich beliebt waren. In den vergangenen 15 Jahren hatte ich das Privileg, uneingeschränkten Zugriff darauf u haben. Es geht um die Filme, deren Macher und deren Geschichte Gerechtigkeit auszuüben. Außerdem geht es auch um Zauberer… Ich habe also noch einiges zu tun.

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